Russland-Ukraine-Krieg in der Schule besprechen

Nachdem die Bilder von dem Kriegsverbrechen in Butscha wurde ein neues Level in der aktuellen Berichterstattung über den Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine. In den großen Medien wurde darüber berichtet, wie und ob die Bilder und Videos aus Butscha gezeigt werden können und sollten. Gleichzeitig gingen die Bilder und Videos längst über die sozialen Netzwerke um die Welt. Die gefesselten Leichen am Wegesrand waren unzensiert und in der vollen Härte für jeden öffentlich zugänglich, denn für die Inhalte auf Twitter wird nicht zwingend ein Benutzerkonto benötigt.

Derartige rasante Verbreitungen von aktuellem Tagesgeschehen beobachten wir in den sozialen Netzwerken seit Jahren und darum ist die Frage doch wichtig, welche Werkzeuge und Methode die Lehrer:innen heute nutzen können, um in ihrem Unterricht auf das aktuelle Weltgeschehen einzugehen.

In meiner Schulzeit waren der Terroranschlag auf das World Trade Center, der Irakkrieg und auch die Bundestagswahl für mich als damaligen Erstwähler drei wichtige Themen, die wir Schüler:innen dringend mit unseren Lehrer:innen besprechen wollten. Die Reaktionen der Lehrer:innen waren gemischt, denn gerade politische Themen wurden vermieden, um unter keinen Umständen irgendwelche Tendenzen abzubilden. Auf der einen Seite wurden aktuelle Wahlpr<ogramme von rechten Parteien auf die Ideologie des Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht untersucht, aber auf der anderen Seite durften wir die Wahlversprechen der demokratischen Parteien nicht gegeneinander aufwiegen und uns thematisch mit dem Bundestagswahlkampf auseinandersetzen.

Medienverhalten hat sich verändert

Die Situation ist heute eine andere, denn die Smartphone-Generation an Schüler:innen haben Bilder und Videos vom aktuellen Tagesgeschehen in der Hosentasche. Hier fehlt es häufig an Aufklärung und einer didaktischen Auseinandersetzung. Ich würde mir Lehrer:innen wünschen, die mit Schüler:innen in der schwierigen Zeit sprechen und Zusammenhänge erklären. Die Werkzeuge des digitalen Unterrichts, wie zum Beispiel der Einsatz einer digitalen Tafel, machen es möglich, dass Schüler:innen die zu verarbeitenden Bilder und Videos an die Tafel senden können. Bilde, Videos und Texte können den Lehrer:innen anonym gesendet werden, wenn dieser Content die Schüler:innen beschäftigt. Hier kann eine enorm wichtige Aufklärungsarbeit geleistet werden, die nicht jedes Elternhaus leisten kann oder gar will.

Schulfach „Medienkompetenz“ könnte hier unterstützen

Schon seit Jahren ist der Wunsch nach einem Schulfach „Medienkompetenz“ immer wieder in den Medien präsent. Der Unterricht sollte sich dem veränderten Medienverhalten anpassen und somit ist eine Content-Besprechung über das aktuelle Weltgeschehen ein wichtiges Lehrmittel für das Lehrpersonal. Das digitale Klassenzimmer ermöglicht die Besprechung von Instagram-Beiträgen, Tweets und YouTube-Videos, um die Schüler:innen nicht alleine mit der Auswertung und Einordnung der Inhalte zu lassen. Egal ob Politikunterricht oder Geschichtsunterricht, die Einordnung der aktuellen Geschehnisse in den historischen Kontext macht den Unterricht nicht nur tagesaktueller, sondern auch erlebbarer und relevanter.

Einen Krieg im Unterricht besprechen

Einen aktiven Krieg im Schulunterricht besprechen ist eine große Herausforderung. Die Schüler:innen müssen und sollten sich zwar ein eigenes Bild machen dürfen, aber gleichzeitig sollte das Lehrpersonal die Fakten besprechen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir als Schüler:innen die Medieninhalte selbst in den Unterricht hätten mit einbringen können. Vielleicht wäre es das eine brutale Video gewesen, welches auf dem Schulhof geteilt wird, aber nur die wenigsten es verstehen. Ein Faktencheck, eine Google-Suche und eine offene Diskussion innerhalb der Schülerschaft klärt Fragen und lässt eine Einordnung der Geschehnisse zu. Wenn die Schüler:innen sich ihre Informationen hauptsächlich aus dem Internet holen, dann sollten genau diese Quellen auch im Unterricht besprochen werden.

Umgang mit Fake-News gehört in den Unterricht

Ein gutes Beispiel ist der aktuelle Streit um den Fernsehsender „RT DE“. Der von der russischen Regierung finanzierte Propagandasender verbreitete auch in Deutschland seine Fake-News über das lineare Fernsehen. Gleichzeitig fanden in Berlin mehrere Demonstrationen von Menschen statt, die Russland im Krieg gegen die Ukraine unterstützen und die gezielt eingesetzte Propaganda wiedergeben.

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Dieser Umgang mit Quellen aus dem Internet, das Erkennen von Fake-News und die Internetrecherche sind heute wichtige Skills für junge Menschen, die täglich mit einer nicht zu bewältigenden Sintflut an Nachrichten umgehen müssen.

Konzepte gegen Schlagzeilen-Überforderung

Irgendwie müssen Schulen neue angepasste Konzepte erarbeiten, um auf die aktuellen Zeiten einzugehen. Die Digitalisierung sorgt dafür, dass wir alle ständigen Zugang zu dem Internet in unserer Hosentasche haben und somit parallel alle Krisen dieser Welt aufrufen können. Wir müssen die Bilder und Videos aus dem Internet verarbeitet. An einem Tag bestimmten Maskenpflicht, Krieg, Rassismus, Gendersprache, Klimakrise, Tempolimit, Überschwemmungen, Brände, Korruption, Terroranschläge und Sportereignisse die Schlagzeilen, die auf uns in Social-Media-Feeds oder Push-Benachrichtigungen einprasseln.

Der Umgang mit einem viel zu hoch frequentierten Schlagzeilen-Überangebot muss gelernt werden. Vielleicht ist das digitale Klassenzimmer der große Pause-Button, um sich konzentriert und fokussiert mit einem Thema zu beschäftigen, um hier die wichtigsten Medien, die Pros und Contras zu sammeln und gemeinsam mit der Klassengemeinschaft unterschiedliche Meinungen anzuhören, um sich ein Bild machen zu können.

Diskutiert ihr in der Schule aktuelles Weltgeschehen, wie zum Beispiel Krieg, Terror oder Klimakrise? Sind Tweets, Postings und YouTube-Videos bereits Teil der Unterrichtseinheiten? Wir freuen uns auf Kommentare.

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