Neue Berufsbilder erfordern neue Bildungskonzepte

Die Berufe der Zukunft werden praktisch durchweg durch die Digitalisierung geprägt. In vielen Berufen ist sie heute schon dominierender Alltag. Das bedeutet: Bildungskonzepte müssen digital sein, sie müssen sich auch in Teilen vom klassischen Konzept des Lehrers verabschieden, der eine Gruppe von Schülern im Klassenzimmer anleitet. Sehr viel Bildung wird allein am Rechner erworben. Dennoch gibt es Austausch und Feedback, wenn auch vielfach online. Moderne Bildung benötigt daher nicht nur digitale Mittel, sondern auch neue Lernstrukturen.

Wie funktionieren medienbezogene Bildungskonzepte?

Die Thematik wird schon länger – sehr intensiv etwa seit 2010 – in Fachkreisen diskutiert. Es geht ausdrücklich nicht nur um die technische Ausstattung von Schulen und Weiterbildungseinrichtungen mit Rechnern, WLAN, Tablets & Co., sondern auch um die Kompetenzentwicklung der Lehrer im digitalen Zeitalter. Fachleute wie etwa Prof. Dr. Dirk Baecker (Universität Witten/Herdecke) verweisen darauf, dass wir uns bildungstechnisch auf die „nächste Gesellschaft“ zubewegen. Die Bildungsgesellschaften seit der Urgesellschaft lassen sich in etwa wie folgt strukturieren:

  • Entwicklung der mündlichen Sprache im Zuge der Menschwerdung vor ~350.000 – 100.000 Jahren
  • Einführung von Schrift vor ~6.500 Jahren
  • Einführung eines strukturierten Bildungssystems mit Schulpflicht (in Deutschland im frühen 18. Jahrhundert)
  • Digitalisierung seit dem späten 20. Jahrhundert

Die historischen Daten der mündlichen Sprache und der Schrift sind nach gegenwärtigem Stand der Forschung Spekulation. Dennoch bietet die Zeitleiste einen Anhaltspunkt dafür, dass es in der Menschheitsgeschichte bildungstechnische Entwicklungssprünge gab, die auch noch in immer kürzeren Intervallen erfolgten. Das bedeutet: Wir müssen den „nächsten Schritt“ zur Digitalisierung sehr ernst nehmen. Er ist so bedeutsam wie beispielsweise die Einführung der Schrift.

Welche Herausforderungen entstehen?

Wissen wird immer schneller aufgenommen. Wer heute 50+ Jahre alt ist, erinnert sich noch genau, wie mühselig es vor 30 Jahren war, wichtige Lerninhalte und Informationen abzurufen. Der Gang in die Bibliothek war unausweichlich, der Unterricht im Klassenzimmer alternativlos. Heute rufen wir diese Informationen und Inhalte in Sekunden online ab, vielleicht in der U-Bahn, per Spracheingabe, nebenher beim Kaffee. Dabei handelt es sich um höchst bedeutsame Inhalte, die zu einer kompletten Berufsausbildung oder fachlichen Weiterbildung mit abschließender Prüfung führen können. Viele Fernakademien stellen ihren Lernstoff komplett online bereit und bieten nur wenige Präsenzseminare für den Austausch mit Dozenten und untereinander an. Das Gros des Stoffes haben den die Lernenden online (oder per digitalem Datenträger) am Rechner oder Smartphone aufgenommen. Die wirkliche Herausforderung besteht darin, den Stoff nachhaltig zu lernen. Das online aufgenommene Wissen kann flüchtig sein, weil es an keine physische und persönliche Assoziation wie den Lehrer, die Mitschüler, das Klassenzimmer und das Experimentallabor gebunden ist. Machen Sie hierzu ein Experiment:

  • Schlagen Sie online den ältesten Baum in Deutschland nach. Es ist mit über 1.200 Jahren die Sommerlinde im hessischen Schenklengsfeld.
  • Suchen Sie sich eine/n Gesprächspartner/in und reden Sie mit dieser Person über den ältesten Baum der Welt. Es ist wahlweise eine knapp 9.600 Jahre alte schwedische Fichte oder die US-amerikanische Zitterpappel-Kolonie (47.000 Einzelstämme) Pando, die über 80.000 Jahre alt sein soll.
  • Recherchieren Sie zum ältesten Baum der Welt, reden Sie mit Menschen darüber, schauen Sie sich Bilder an. Dann prüfen Sie in acht Wochen, welche der beiden Informationen – ältester Baum Deutschlands oder der Welt – Sie sich gemerkt haben. Es wird fast immer die zweite sein.

Das Experiment belegt, dass schnell und flüchtig online erworbenes Wissen unter Umständen auch schnell wieder vergessen wird.

Fazit

Wir müssen für die digitalen Berufe der Zukunft digital lernen, doch wir müssen Wissen anders verknüpfen. Möglicherweise brauchen wir eine sehr starke digitale Community, damit wir schnell und effizient, aber dennoch nachhaltig lernen und uns damit auf die digitale Wirtschaft vorbereiten.

Bildquelle: Pixabayuser rawpixel

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